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Artikel: Kleine Materialkunde: Leder, Stoffe und Kunststoffe einfach erklärt

Leder-, Stoff- und Kunststoffmuster mit unterschiedlichen Oberflächen für die Materialkunde von Taschenvertrieb.de.
Leder

Kleine Materialkunde: Leder, Stoffe und Kunststoffe einfach erklärt

Warum fühlt sich eine Geldbörse aus Nappaleder anders an als eine aus Hunterleder? Was steckt hinter PU-Planenmaterial, und worin unterscheiden sich die Materialien von Koffern und Regenschirmen?

Das Material beeinflusst, wie sich ein Produkt anfühlt, wie es sich im Alltag verändert und welche Pflege es braucht. Unsere Materialkunde erklärt die Bezeichnungen, die Ihnen bei Taschenvertrieb.de begegnen – von Leder über textile Gewebe bis zu Schirmgestellen und Kofferschalen.

Leder: Tierart, Oberfläche und Verarbeitung unterscheiden

Rind und Büffel bezeichnen die Herkunft des Leders. Begriffe wie Nappa, Waschleder oder Wax Pull Up beschreiben dagegen seine Beschaffenheit oder Bearbeitung. Deshalb kann ein Artikel gleichzeitig aus Rindleder und aus Nappaleder bestehen.

Rindleder und Büffelleder

Rindleder wird für Geldbörsen, Taschen, Gürtel und Etuis verwendet. Je nach Stärke und Verarbeitung kann es weich und anschmiegsam oder fest und formgebend sein. Die Tierart allein sagt deshalb noch nicht aus, wie sich das fertige Produkt anfühlt.

Büffelleder besitzt häufig eine markante, natürliche Struktur. In unserem Sortiment findet es sich unter anderem bei Geldbörsen, Gürteln und Taschen. Auch Büffelleder kann je nach Bearbeitung einen weichen Griff haben.

Natürliche Unterschiede in Narbung, kleine verwachsene Spuren und unterschiedliche Schattierungen können sichtbar bleiben. Mit der Nutzung entwickelt sich bei vielen Lederoberflächen eine individuelle Patina.

Nappaleder, Rindnappaleder und Softrindleder

Nappaleder bezeichnet weiches, geschmeidiges Glattleder. „Glatt“ bedeutet dabei nicht völlig strukturlos: Eine natürliche Narbung kann sichtbar sein. Bei Rindnappaleder ist zusätzlich die Tierart angegeben.

Softrindleder betont den weichen Griff des Rindleders. Solche Leder eignen sich für alle, die bei Geldbörsen und Taschen eine anschmiegsame Oberfläche mögen. Wie empfindlich sie gegen Feuchtigkeit sind, hängt auch von ihrer Oberflächenbehandlung ab.

Vollleder und Vollnarbenleder

Vollnarbenleder besitzt eine erhaltene, nicht abgeschliffene natürliche Narbenoberfläche. Vollleder ist damit nicht automatisch gleichzusetzen.

Bei einem Vollledergürtel steht der durchgehende Lederriemen im Mittelpunkt. Eine „Volllederausstattung“ bei Geldbörsen kann dagegen auch die Innenfächer einschließen. Welche Bereiche aus Leder bestehen, beschreibt der jeweilige Artikel. Ein Gürtel mit Lederunterseite und PU-Oberseite ist ein Materialmix.

Hunterleder

Hunterleder steht für eine rustikale Lederoberfläche mit charakteristischen Schattierungen und einer oft matten, leicht angerauten Haptik. Die entsprechend beschriebenen Artikel unseres Sortiments bestehen aus geschliffenem und geöltem Rind- oder Büffelleder.

Berührung, Reibung und Gebrauch verändern die Oberfläche. Das passt zu einer lebendigen Vintage-Optik. Wer eine dauerhaft vollkommen gleichmäßige Oberfläche sucht, sollte diese Eigenschaft bei der Auswahl berücksichtigen.

Gewachstes Leder und Wax Pull Up

Wachse und Öle beeinflussen den Griff und die Farbwirkung des Leders. Bei Pull-Up-Leder können sich beim Biegen oder Dehnen hellere Bereiche zeigen. Dadurch entsteht eine bewegte Oberfläche mit unterschiedlichen Farbtönen.

Leichte oberflächliche Gebrauchsspuren lassen sich bei manchen Ausführungen durch vorsichtiges Verreiben mildern. Tiefe Kratzer verschwinden dadurch nicht. Pflegeprodukte müssen ausdrücklich für die jeweilige Lederart geeignet sein.

Waschleder

Waschleder erhält durch besondere Bearbeitung seine weiche, knautschige Beschaffenheit und den gebrauchten Look. Falten, Schattierungen und eine bewusst unregelmäßige Form können zu dieser Optik gehören.

Waschleder bedeutet nicht, dass die fertige Geldbörse oder Tasche waschbar ist. Für die Reinigung gelten die Pflegehinweise des jeweiligen Produkts.

Veloursleder und Rauleder

Veloursleder besitzt eine samtige, faserige Oberfläche. Es wird bei einigen unserer Artikel auch als Innenausstattung verwendet, etwa in Scheinfächern oder Taschen.

Rauleder ist der Oberbegriff für Leder mit aufgerauter Oberfläche. „Wildleder“ wird umgangssprachlich häufig ähnlich verwendet, bedeutet fachlich aber Leder von Wildtieren. Eine samtige Oberfläche allein belegt daher keine bestimmte Tierart.

Fassgefärbtes und gewalktes Leder

Bei entsprechend beschriebenen Artikeln, etwa unserer als DDM bezeichneten Leder-Banktasche, beziehen sich diese Angaben auf Verarbeitungsschritte: Das Leder wird im Fass gefärbt und durch mechanische Bewegung weicher gemacht. Die natürliche Struktur kann dadurch deutlicher hervortreten.

Gut zu wissen: Blumenprägungen, Schlangenoptik, Kontrastfarben und Vintage-Effekte sind Gestaltungen einer Oberfläche. Eine Schlangenprägung auf Rindleder macht daraus kein Schlangenleder.

Textilien und beschichtete Materialien

Polyester und recyceltes Polyester

Polyester ist eine synthetische Faser, die unter anderem bei Rucksäcken, Reisegepäck, Innenfuttern, Taschengurten und Regenschirmen eingesetzt wird. Die Gewebe können leicht und fein oder kräftig und deutlich strukturiert ausfallen.

Recyceltes Polyester besteht aus wiederaufbereitetem Ausgangsmaterial. Bei entsprechend gekennzeichneten Artikeln werden dafür beispielsweise PET-Flaschen verwendet. Aus der Angabe zum Bezug oder Futter lässt sich kein Recyclinganteil für das gesamte Produkt ableiten.

Nylon beziehungsweise Polyamid

Nylon gehört zur Gruppe der Polyamide. Es wird zu leichten, belastbaren Geweben verarbeitet, etwa für Taschen, Businessgepäck und Schirmbezüge.

Wie gut ein Nylongewebe Regen abhält, hängt von seiner Verarbeitung und einer möglichen Beschichtung ab. Die Materialbezeichnung allein ist keine Zusage, dass eine Tasche wasserdicht ist.

Canvas, gewachstes Canvas und Polycanvas

Canvas bezeichnet ein kräftiges, dichtes Gewebe. Der Begriff allein legt die genaue Faserzusammensetzung nicht fest. Sie ergibt sich aus den zusätzlichen Materialangaben.

Bei gewachstem Canvas beeinflusst eine Wachsausrüstung die Oberfläche und kann die Wasserabweisung verbessern. Knick- und Gebrauchsspuren tragen zum typischen Look bei. Polycanvas bezeichnet ein synthetisches Gewebe in Canvas-Anmutung. Beide finden sich bei Taschen und Businessgepäck.

PU, Kunstleder und Lederimitat

PU steht für Polyurethan. Der Kunststoff wird unter anderem als Beschichtung auf einem Trägermaterial eingesetzt. So entstehen glatte oder genarbte Oberflächen in Lederoptik.

Ein als PU-Kunstleder beschriebenes Material ist kein Echtleder. Es lässt sich meist mit einem weichen, leicht angefeuchteten Tuch reinigen. Lederfett ist dafür nicht die passende Pflege. Beschichtungen können sich durch Alterung, Reibung und ungünstige Lagerung verändern.

PU-Planenmaterial

Dieses Material verbindet ein Trägermaterial mit einer PU-Beschichtung und besitzt eine typische, häufig glatte Planenoptik. Bei Rucksäcken und Taschen kommen beispielsweise Kombinationen mit Polyester oder Nylon vor.

Die Oberfläche lässt sich leicht abwischen. Eine wasserabweisende Außenfläche macht jedoch Nähte, Reißverschlüsse und Öffnungen nicht automatisch wasserdicht.

Mikrofaser und Veloursimitat

Mikrofaser bezeichnet sehr feine Fasern. Daraus können weiche, samtartige Oberflächen entstehen. „Fake Suede“ oder Veloursimitat beschreibt die Anmutung von Rauleder, ohne damit echtes Leder zu meinen. Die genaue Zusammensetzung ergibt sich aus der Produktangabe.

Pongee, Satin, Flanell, Kordoptik und Mesh

Diese Begriffe beschreiben vor allem den Aufbau oder die Oberfläche eines Textils:

Bezeichnung Was sie bedeutet
Pongee Ein feines Gewebe mit geschmeidigem Griff. Unsere entsprechend beschriebenen Schirmbezüge bestehen aus Polyester-Pongee.
Satin Eine Webart mit glatter, glänzender Oberfläche. Polyester-Satin besteht aus Polyester; der Glanz bedeutet keinen Seidenanteil.
Flanell Ein weicher Stoff mit typischer, oft angerauter Oberfläche. Bei unseren entsprechend ausgewiesenen Scott-Rucksäcken besteht er aus Polyester.
Kordoptik / Rib Fabric Eine gerippte Oberfläche. Die Optik allein sagt nichts über die verwendete Faser aus.
Mesh Ein offenes Netzmaterial, beispielsweise für seitliche Taschen oder als Bezug von Rückenpolstern.

Angaben wie 900D beziehen sich auf die Feinheit beziehungsweise Masse des verwendeten Garns. Sie sind kein eigenständiges Material und für sich genommen kein vollständiger Qualitätsmaßstab.

Viskose und Seide

Viskose ist eine industriell hergestellte Faser auf Cellulosebasis. Sie kann Stoffen einen weichen Griff und fließenden Fall geben. In unserem Sortiment findet sie sich bei Schals und Stolen.

Seide ist eine tierische Naturfaser mit feiner Oberfläche und charakteristischem Glanz. Einige unserer Schals kombinieren Seide mit Viskose. Für Reinigung und Bügeln ist das Pflegeetikett entscheidend; eine Mischung wird nach ihrer empfindlichsten Komponente behandelt.

Elasthan beziehungsweise Spandex

Elasthan ist eine dehnbare synthetische Faser; Spandex ist eine weitere Bezeichnung dafür. In unseren entsprechend beschriebenen Kofferschutzhüllen sorgt der Elasthananteil dafür, dass sich das Polyestergewebe an unterschiedliche Kofferformen anpassen kann.

Innenfutter und Materialmischungen

Außenmaterial und Innenfutter können unterschiedlich zusammengesetzt sein. Auch Taschengurte kombinieren teilweise Polyestergewebe mit Lederenden. Prozentangaben müssen deshalb immer dem richtigen Bestandteil zugeordnet werden.

Steht bei einem Artikel lediglich „Textilfutter“, „Feingewebe“ oder „Synthetik“, ist damit noch keine genaue Faserzusammensetzung angegeben. Ein silberfarbenes Futter enthält nicht automatisch Silber.

Kunststoffe bei Koffern und transparenten Regenschirmen

ABS

ABS ist ein formstabiler Kunststoff für Hartschalenkoffer und Beautycases, beispielsweise aus der Travelite-Bali-Serie. Er gibt dem Gepäckstück seine feste Außenform. Oberflächenprägungen verändern die Optik und können Gebrauchsspuren weniger auffällig erscheinen lassen. Kratz- oder bruchfest unter allen Bedingungen ist eine ABS-Schale deshalb nicht.

Polypropylen

Polypropylen, kurz PP, wird ebenfalls für Kofferschalen verwendet, unter anderem bei unseren Travelite-Roomer-Modellen. Es verbindet eine geringe Materialdichte mit einer gewissen Nachgiebigkeit. Das fertige Koffergewicht hängt zusätzlich von Größe, Schalenstärke, Rollen und Ausstattung ab.

POE

Bei unseren entsprechend beschriebenen transparenten Schirmen bezeichnet POE das flexible Kunststoffmaterial des Schirmdachs. Anders als ein gewebter Polyesterbezug lässt die transparente Folie den Blick hindurch.

Zur Reinigung genügt meist ein weiches, mit Wasser angefeuchtetes Tuch. Vor dem Zusammenlegen sollte das Schirmdach vollständig trocknen.

Gestelle, Beschläge und weitere Materialien

Stahl sorgt bei Schirmstöcken, Gestellteilen und Beschlägen für Stabilität. Edelstahl wird beispielsweise bei bestimmten Gürtelschnallen verwendet und ist korrosionsbeständiger als ungeschützter gewöhnlicher Stahl.

Aluminium ist ein leichtes Metall für Schirmgestelle und feste Gehäuse, etwa von Kartenetuis. Eloxiertes Aluminium besitzt eine gezielt verstärkte Oberflächenschicht. Auch solche Oberflächen können Gebrauchsspuren bekommen.

Fiberglas besteht aus Glasfasern in einer Kunststoffmatrix. Bei Schirmstreben ermöglicht dieser Verbundwerkstoff eine flexible Konstruktion. Wie windstabil ein Schirm ist, hängt vom gesamten Aufbau ab.

Carbonsteel ist dopplers Bezeichnung für eine spezielle Stahlqualität bei Schirmgestellen. Der Begriff bezeichnet kein Gestell aus Carbonfasern.

Holz und Bambus werden bei ausgewählten Schirmgriffen eingesetzt. Ihre natürliche Struktur kann von Griff zu Griff variieren. Zur Reinigung reicht ein leicht angefeuchtetes Tuch; längeres Einweichen sollte vermieden werden.

Naturkautschuk dient bei bestimmten Tabakbeuteln als elastische Innenauskleidung für losen Tabak. Diese Ausstattung findet sich nur bei entsprechend beschriebenen Modellen.

Gummi und andere elastische Kunststoffe kommen unter anderem an Rollen, Puffern und Verschlussbändern vor. Eine „gummierte“ Rolle besteht nicht zwangsläufig aus Naturkautschuk. Silikon wird bei einzelnen Taschen auch für erhabene Schriftzüge verwendet.

Metallbeschläge und Kunststoffteile erfüllen unterschiedliche Aufgaben: Karabiner, Druckknöpfe, Reißverschlüsse, Steckschnallen oder Griffe. Bezeichnungen wie „silberfarben“, „goldfarben“, „Messing-Optik“ oder „Eisen antik“ beschreiben häufig die Oberfläche und belegen keine bestimmte Metallzusammensetzung.

Beschichtungen und RFID-Schutz

Eine Imprägnierung ist eine zusätzliche Ausrüstung des Materials. Sie kann Wasser abperlen lassen, ersetzt aber keine wasserdichte Gesamtkonstruktion. Bei einzelnen Schirmbezügen ist eine Teflon™-Gewebeausrüstung angegeben. Daraus lässt sich ohne weitere Angaben keine genaue chemische Zusammensetzung ableiten.

RFID-Schutz ist ebenfalls keine Lederart. Er entsteht durch eine zusätzliche abschirmende Lage oder eine geeignete Gehäusekonstruktion. Welche Kartenbereiche geschützt sind und unter welchen Bedingungen der Schutz wirkt, hängt vom Modell ab. Bei vielen Geldbörsen entfaltet die Abschirmung ihre vorgesehene Wirkung, wenn die Börse zugeklappt ist.

Fünf Pflegetipps für den Alltag

  1. Pflegehinweise des Herstellers beachten. Oberflächenbehandlung, Innenfutter und Materialmix bestimmen mit, welche Reinigung geeignet ist.
  2. Lederpflege zuerst verdeckt testen. Besonders offenporige, geölte und gewachste Leder können dadurch dunkler werden. Für Rauleder nur ausdrücklich geeignete Produkte verwenden.
  3. Vorsichtig reinigen. Staub zunächst trocken entfernen. Beschichtete Flächen und Kofferschalen meist nur leicht feucht abwischen; keine Scheuermittel oder Lösungsmittel verwenden.
  4. Langsam trocknen lassen. Feuchte Taschen, Geldbörsen und Schirme nicht auf die Heizung legen. Regenschirme geöffnet an der Luft trocknen lassen und erst trocken in die Hülle stecken.
  5. Schals und Materialmischungen nach Etikett pflegen. Keine Waschtemperatur allein aus dem Begriff Polyester, Viskose oder Seide ableiten.

Häufige Fragen zu Materialien

Welches Leder passt zu mir?

Wer einen weichen Griff bevorzugt, findet bei Nappa und Softrindleder passende Ausführungen. Hunter-, Wasch- und gewachste Leder sprechen eher Menschen an, die eine lebendige Oberfläche und sichtbare Veränderungen durch Gebrauch mögen. Entscheidend bleibt die konkrete Ausführung.

Ist Kunstleder automatisch vegan?

Die Angabe PU-Kunstleder beschreibt zunächst das betreffende Material. Sie belegt nicht automatisch, dass sämtliche Bestandteile des fertigen Produkts tierfrei sind.

Bedeutet wasserabweisend dasselbe wie wasserdicht?

Nein. Wasserabweisende Oberflächen können Regen und Spritzwasser zunächst abhalten. Für ein wasserdichtes Produkt müssen auch die Konstruktion, Nähte und Verschlüsse entsprechend ausgeführt sein.

Kann ich für jedes Leder dieselbe Pflege verwenden?

Nein. Glattleder, Rauleder und gewachste Leder benötigen unterschiedliche Pflege. Ein ungeeignetes Mittel kann Farbe, Glanz oder Griff verändern.

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